Der Verein

Gäste und Gastgeber vor dem Staley House, Decatur, September 2019

Wie alles begann – Partnerschaft Seevetal-Decatur bereits seit 1975

 „Ja, wie fing es damals  vor 30 Jahren alles so an?“ wird man manchmal gefragt, und dann muss man antworten, dass es mit Decatur bereits 1973 anfing und mit der Idee dazu sogar schon 1970. Allerdings war den Seevetalern die Stadt Decatur im Staate Illinois der USA zu der Zeit völlig unbekannt.
Seinerzeit reisten vier Mitglieder des damaligen Turnermusikzuges Meckelfeld-Stelle, es waren Hans-Jürgen Wilken, Gerhard Hermenau, Emil Ziegler und Ulf Alsguth, als Gäste des Blasorchesters im  MTV Wolfenbüttel zusammen mit einer Gruppe von Sporttänzern und -turnerinnen unter anderem nach Kenosha in Wisconsin, der Partnerstadt von Wolfenbüttel. Die  Idee der Verbindung zu einer Stadt in den USA, um Grenzen zu überbrücken und Freundschaften zwischen den Nationen zu pflegen,  begeisterte die Heimkehrenden, so dass sich besonders Jürgen Wilken und Ulf Alsguth überlegten, etwas Ähnliches auch für Seevetal, der gerade neu gegründeten Gemeinde, zu organisieren.

Geschichte-Decatur

 Man konnte sich damals noch nicht so recht vorstellen, wie denn die neuerlich zusammengewürfelten 19 Ortschaften zu einer soliden Gemeinde verschmelzen sollten und konnten. Ein gemeinsames Freundschaftsverhältnis zu einer Stadt in Amerika könnte, davon waren sie überzeugt, auch die lokale Gemeinschaft festigen.
 

Hans-Jürgen Wilken war seinerzeit zudem Ratsmitglied der jungen Großgemeinde und hatte offiziell diesbezügliche Besprechungen und Beratungen in den relevanten Ausschüssen aufgenommen. Über das Sister City International und die People to people-Organisation wurden dann Verbindungen nach Amerika aufgenommen und erste Wünsche für eine mögliche Partnerschaft gestellt. Es ergab sich dann 1973, dass  eine Reisegruppe aus Kenosha einen Gegenbesuch in ihrer Partnerstadt Wolfenbüttel plante. Die Verbindung des Musikzuges Meckelfeld-Stelle mit dem Blasorchester Wolfenbüttel sowie die ersten Gespräche  mit People to people  brachte die Gruppe dazu, auch Seevetal bei Hamburg einen Besuch als persönliche Gäste der Musikzugmitglieder abzustatten. Nach Heimreise der Kenosha-Gruppe und deren Berichte über die hiesige Gastfreundschaft nahm die Seevetal-Organisation dann Formen an.
 

Zu der Zeit war Decatur in Illinois, die bereits eine Partnerschaft mit Tokorozawa in Japan hatte, auf der Suche nach einer weiteren Partnerstadt in Deutschland. Da der hiesige Musikzug stark an einer Reise nach Amerika interessiert war, erging für 1974 eine Einladung zu einer Rundreise in den Mittleren Westen einschließlich der Stadt Decatur, IL. Die Reise wurde auf amerikanischer Seite von der People to People-Organisation vorbereitet und lag auf deutscher Seite in den Händen von  Hans-Jürgen Wilken, der damals stark von seinem Schwager, Dieter Nitzsche, unterstützt wurde. Ulf Alsguth hatte dazu die musikalische Vorbereitung und die Orchesterleitung übernommen. Die Reise führte die Musiker und deren Begleiter damals nicht nur nach Decatur, sondern auch nach Kenosha, Sheboygan, Green Lake und Green Bay in Wisconsin. Alle Reiseteilnehmer hatten eine wunderschöne Zeit, der Turnermusikzug Meckelfeld-Stelle jedoch löste sich mit Heimkehr aus Amerika entsprechend vorheriger Absprache auf. Nachfolger wurden ein Blasorchester Stelle und das Blasorchester Seevetal im TV Meckelfeld.
 

Ausser den Musikern und deren Begleiter waren unter anderem auch die Ratsherren Helmut Schiemann und Otto Elvers – praktisch als Kundschafter der Gemeinderäte – mit auf die Reise gegangen, um sich einen persönlichen Eindruck von einer mittelgroßen, amerikanischen Stadt zu verschaffen. Nach dem Besuch in Decatur war dort im Komitee um Adriana Lovelace die Vorentscheidung für Seevetal eigentlich schon gefallen. Auf der Seevetaler Seite gab es jedoch Überlegungen, ob nicht Green Bay oder Sheboygan  bessere Partnerstädte sein können. Denn auch dort war bei einigen Bürgern inzwischen das Interesse an einer Verbindung nach Deutschland erwacht. Hier waren Margaret und Bob Voorhans aus Sheboygan und Hilda und Glen Brovold aus Green Bay, denen die Partnerstadtkontakte besonders am Herzen lagen. Die Organisatoren in Decatur hatten aber bereits eine solch breite Unterstützung in der Stadt und beim nationalen Sister City Committee, dass die anderen Städte nicht mehr zum Zuge kommen konnten. Und das war ja auch gut so!
 

Zurück in Deutschland wurden sogleich „Nägel mit Köpfen“ gemacht. Jürgen Wilken hatte jetzt starke Unterstützung von seinen Ratskollegen, die mit auf der Reise waren, und so brachten sie den Gemeinderat samt Bürgermeister Hermann Meyer zu dem Beschluss, mit der Stadt Decatur, IL Gespräche zur Gründung einer Partnerschaft  aufzunehmen, um besonders bilateralen Jugend- und Kulturaustausch zu pflegen. Automatisch folgte daraufhin die Gegeneinladung an die Stadt Decatur zum ersten und offiziellen Besuch in Seevetal. Wie selbstverständlich wurde die Einladung hierzu angenommen, und der Besuch fand vom 1. bis zum 5. Oktober 1975 statt. Die Besuchergruppe wurde angeführt vom damaligen Bürgermeister Charles Gallagher und dem Vorstand des lokalen Sister City Committees u.a. mit Adriana Lovelace und Dr. Robert Slaton. Es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass es besonders Adriana Lovelace war, die mit Vehemenz für Verständigung durch Partnerschaften kämpfte, weil sie beseelt war von dem Wunsch, dass niemals mehr jemand so behandelt würde wie sie und ihre Eltern während des zweiten Weltkrieges in Italien. Sie war überzeugt von der Aussage Dwight D. Eisenhowers, dass Regierungen zwar Freundschaftsverträge abschließen könnten, aber nur einzelne Menschen richtige Freundschaften unter einander.
 

Zum Besuchsprogramm der Amerikaner gehörten außer einer Seevetalrundfahrt auch eine Stadt- und Hafenrundfahrt in Hamburg, Mittagessen im Haus der Schiffergesellschaft in Lübeck und Besichtigungen der Zonengrenze in Schlutup. Höhepunkt des Besuches war jedoch die offizielle Sitzung am Freitag, dem 3. Oktober 1975 um 19:30 Uhr, an dem die Partnerschaft besiegelt wurde. Hierzu übergab Decatur als Gastgeschenk die alte, jetzt im Foyer des Rathauses stehende Lokomotiv-Glocke der Norfolk & Western Railway Company. Danach gab es zur Feier des Tages für alle Besucher und Gastgeber Sekt und kaltes Buffet bei Prange.
 

Ja, so fing es damals an, und Hans-Jürgen Wilken organisierte gleich 1977 wieder eine Reise, dieses Mal für eine offizielle Delegation mit insgesamt 42 Personen. Hierzu gehörten Bürgermeister Meyer und Gemeindedirektor Röhrs, vier Ratsmitglieder, zwei Verwaltungsangestellte, Vertreter der Schulen und jeweils ein Reporter der Harburger Anzeigen und Nachrichten, sowie des Winsener Anzeigers. Diese Reise brachte die Gruppe außer nach Decatur auch nach Sturgis, MI, Kenosha, WI, Pittsfield, IL und St.Louis, MO. Zu jener Zeit war Ulf Alsguth beruflich in Milwaukee stationiert und hat von dort aus den lokalen  Transport und generelle Modalitäten geregelt. So konnte erstmals die Reise ohne Sister City-Dachverband von den beiden geplant und abgewickelt werden. Viele, viele Besuche und Gegenbesuche von Schulklassen, Schülern und Gruppen sollten folgen und werden noch lange stattfinden.
 

Rückblick von Ulf Alsguth, Seevetal, Juli 2005

 

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